Zur Poetik im Dialog von Manuel Martí Moreno und Pedro Rodríguez Garrido Die Ausstellung Resonancias vereint die Werke von Manuel Martí Moreno (Valencia, 1979) und Pedro Rodríguez Garrido (Huelva, 1971) als Teil des seit 2016 laufenden Programms Diálogos in der Galería BAT Alberto Cornejo. In dieser Ausgabe werden Skulptur und Malerei nicht als gegensätzliche Sprachen präsentiert, sondern als sensible Strategien, die nicht darauf abzielen, die Welt darzustellen, sondern eine andere Art der Auseinandersetzung mit ihr vorschlagen, die eindrucksvoller, körperlicher, langsamer und aufmerksamer ist. Die Künstler möchten nicht, dass wir eine versteckte Botschaft entschlüsseln, sondern dass wir uns frei in der Zeitlichkeit des Werks aufhalten, uns auf seinen einzigartigen Rhythmus und seine innere Logik einlassen und so zulassen, dass sich ästhetische Emotionen auf unerwarteten Wegen entfalten. Martí Morenos skulpturales Werk eröffnet vielfältige Interpretationsmöglichkeiten, jedoch stets aus einer gemeinsamen Perspektive: einem kritischen Blick auf den menschlichen Körper und das Gesicht als symbolischen Ort der Identität. Dieses Anliegen drückt sich in einer Poetik des Fragments aus, die aus Industriematerialien und wiederverwendeten Objekten (u. a. Nüssen, Wellblech, Drahtgeflecht, Fiberglas, Polyesterharz) gefertigt ist und Zusammenfügung, Spannung und Unsicherheit evoziert. Dieser Ansatz ist nicht rein formal – er verweist auf das menschliche Subjekt als komplexe, fragmentierte und unvollständige Einheit, die sich ständig im Prozess der Rekonstruktion befindet. Im Dialog mit der Tradition der Bildhauerei, aber abweichend von deren klassischem Einheitsideal, lädt Martí Moreno zur Reflexion durch die Materie selbst ein: eine Untersuchung der menschlichen Existenz in ihrer unvermeidlichen Vergänglichkeit. Im Kontrast – wenn auch nicht in Opposition – präsentiert Pedro Rodríguez Garrido eine Malerei, die Gestik, Erinnerung und Oberfläche miteinander verwebt. Sein Wechsel von der Figuration – insbesondere urbaner Landschaften – zur Abstraktion hat die narrative Dimension nicht ausgelöscht, sondern sie durch Symbolik und Lyrik nuanciert. Seine Praxis ist geprägt vom Biografischen und Kulturellen: Nach einem Aufenthalt in Südkorea verarbeitet er in seinen Werken Fragmente des Hangul-Alphabets und Elemente asiatischer Bildwelt, verwebt mit Quellen der historischen Avantgarde und des abstrakten Expressionismus. Diese Kreuzung von Sprachen und Tonalitäten – zwischen Intimem und Historischem, Geschriebenem und Bildlichem, Östlichem und Westlichem – verwandelt die Oberfläche in eine affektive Topografie, in der Farbe und Material eine sich wandelnde Erinnerung formen. Anstatt eine Erfahrung abzubilden, verkörpert und ordnet das Werk sie als inneres Bild neu: instabil, offen, radikal subjektiv. Weit entfernt vom Literalismus vermeiden die Praktiken beider Künstler es, sich auf geschlossene Formulierungen festzulegen, und öffnen stattdessen Räume der Unbestimmtheit, in denen der Betrachter kein Bild konsumiert, sondern in einen Prozess des Zweifelns und Entdeckens verwickelt wird. In diesem Kontext erscheint Kunst als eine Form des nicht-propositionalen Denkens, die dem Gestalt geben kann, was Sprache nicht erreichen kann. Der Ausstellungstitel „Resonancias“ („Resonanzen“) benennt genau diese Art von Wirkung: jene, die entsteht, wenn es einem Werk gelingt, sich ohne narrativen Rückgriff auf die Erfahrung des Betrachters einzustimmen. Die hier versammelten Werke treten nicht durch oberflächliche Affinität in Dialog, sondern durch Reibung, Echo und Kontrast. Skulptur und Malerei begegnen sich in einer gemeinsamen Frage: Wie kann Kunst durch ihre Materialität weiterhin als Mittel dienen, die immateriellen Aspekte der Existenz zu denken und zu erfahren? Text von Carlos Delgado Mayordomo
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