Zum sechsten Jubiläum präsentiert die Galerie „Erweiterte Erinnerungen“.
Die Ausstellung erkundet Erinnerung als einen Raum ständiger Neuerfindung, in dem die Vergangenheit durch Werkzeuge, Erzählungen und Landschaften mit der Gegenwart in Dialog tritt. Die Werke von Seunghwan Lee und Ludovic Nino zeigen, wie Erinnerung – ob algorithmisch gefiltert oder in der Geschichte von Gebieten verwurzelt – konstruiert, verzerrt und bereichert wird.
Seunghwan Lee: Algorithmische Landschaften, zwischen Daten und Realität
Der koreanische Künstler Seunghwan Lee überlagert Beobachtungen vor Ort mit KI-generierten Interpretationen. Seine Landschaften der Serie „Fontainebleau Forest“ basieren auf GPS-Koordinaten und visuellen Daten, die digital transformiert und anschließend vom Künstler mit Acrylfarben und Zeichnungen bearbeitet wurden. Weder gänzlich real noch völlig fiktiv, offenbaren sie die Paradoxien zwischen menschlicher Wahrnehmung und technologischer Reflexion. Indem er visuelle Artefakte und algorithmische Verzerrungen offenlegt, hinterfragt Lee unser Verhältnis zum Raum und die Verlässlichkeit unserer Erinnerung, die von modernen Technologien ständig neu erfunden wird.
Ludovic Nino: Verwobene Wurzeln, koloniale Erinnerungen und die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen
Ludovic Nino zieht Parallelen zwischen den Antillen und Taiwan, zwei Gebieten, die von einem komplexen kolonialen Erbe geprägt sind. Seine Zeichnungen von Feigenbäumen, deren Wurzeln in koloniale Ruinen eindringen, werden zu Metaphern für die Schichten der Erinnerung, die trotz historischer Umbrüche fortbestehen.
Indem er Symbole des Widerstands von Maroon-Gemeinschaften und Spuren der japanischen Kolonialisierung übereinanderlegt, verwandelt er Landschaften in visuelle Archive oft marginalisierter Erzählungen. Für Nino ist das kollektive Gedächtnis ein lebendiger Prozess, in dem Vergangenheit und Gegenwart durch die Widerstandsfähigkeit von Landschaften und Kulturen aufeinandertreffen und sich gegenseitig neu erfinden.
Karin Dessag präsentiert ihre Keramikserie mit organischen und fragmentierten Formen. Zwischen Gebrauchsgegenstand und Skulptur angesiedelt, rufen sie die Erinnerung an Emotionen und Gesten hervor.
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