INFLECTIONS vereint zwei künstlerische Ansätze, die die Linie als aktive Kraft erforschen, die den Raum verformen, die Wahrnehmung stören und den Blick lenken kann. Der britische Künstler Remi ROUGH, ein Vertreter der zeitgenössischen abstrakten Kunstszene, entwickelt entsättigte Kompositionen aus sich überlappenden, verzerrten und gefalteten Farbbändern. Seine Gemälde spielen mit der ständigen Spannung zwischen geometrischer Strenge und visueller Instabilität. Die Linie ist nie statisch: Sie gleitet, biegt sich und scheint unter unsichtbarem Druck nachzugeben. Oberflächen werden zu Kraftfeldern, in denen die auf ein gedämpftes und zurückhaltendes Farbspektrum reduzierte Farbe die Empfindung von Tiefe und latenter Bewegung verstärkt. Im scheinbaren Gegensatz zum malerischen Medium interveniert der Schweizer Künstler YGREK im öffentlichen Raum, indem er Klebeband an Stadtzäunen anbringt. Diese Interventionen nutzen bestehende Strukturen, um optische Effekte, Vibrationen und Wahrnehmungsverzerrungen zu erzeugen, die nur durch die Bewegung des Körpers und des Blicks entstehen. In dieser Ausstellung überträgt YGREK seine Forschung in die Schwarz-Weiß-Malerei und überträgt die visuellen Spannungen seiner ortsspezifischen Installationen auf eine flache Oberfläche. Der Dialog zwischen den beiden Künstlern kreist um gemeinsame Konzepte: Einschränkung, Wiederholung und Nuance. Während Remi Rough den Bildstreifen so weit biegt, bis er in eine beinahe architektonische Abstraktion mündet, verwendet YGREK funktionale Materialien neu, um deren grafisches und wahrnehmungstechnisches Potenzial zu enthüllen. Beide arbeiten an der Grenze zwischen Flächigkeit und Volumen, zwischen Oberfläche und Raum. „INFLECTIONS“ bietet somit ein visuelles Erlebnis, in dem die Linie zu Sprache, zu Brüchen und Rhythmus wird. Eine Ausstellung, die uns einlädt, innezuhalten, unsere Perspektive zu verändern und uns von diesen subtilen Verschiebungen fesseln zu lassen, die den Raum in eine Zone spürbarer Instabilität verwandeln.
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