Die Ausstellung LAST WORKS würdigt das eindrucksvolle und subversive Werk der Pariser Künstlerin „Miss. Tic“. Als Pionierin der Schablonenkunst und Symbolfigur der französischen Street-Art-Szene der 80er und 90er Jahre durchbrach sie als einzige Frau die gläserne Decke dieser damals vorwiegend von Männern dominierten und mitunter gewalttätigen Kunstform. Miss Tic verwandelte die Mauern der Stadt in Seiten eines intimen und politischen Tagebuchs. Ihre Texte, sowohl „Queen of Spades“ als auch „Queen of Hearts“, in Form poetischer Aphorismen, trafen stets ins Schwarze. LAST WORKS bezieht sich sowohl auf ihre letzten Werke aus dem zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts als auch darauf, dass dies die letzten zum Verkauf stehenden Arbeiten aufgrund ihres frühen Todes sind. In diesen Werken sind ihre weiblichen Silhouetten, oft düster und sinnlich, niemals bloße Modelle. Sie sind die Sprachrohre einer scharfen, ironischen und feministischen urbanen Poesie. Jedes Werk verbindet ein Bild mit bissigem Witz: eine Maxime, ein Wortspiel, das die Rolle der Frau, die Konsumgesellschaft oder die Freiheit hinterfragt. Die Ausstellung beleuchtet die Entwicklung ihres Werks, von ihren spontanen Aktionen im Pariser Straßenbild mit der Serie „Miss Tic Présidente“ bis hin zu ihren Arbeiten auf Leinwand und anderen Medien. Sie zeigt, wie Miss Tic die Flüchtigkeit und Dringlichkeit urbaner Kunst in ein bemerkenswert beständiges Werk einfließen ließ und sich so zu einer wichtigen Beobachterin unserer Zeit machte. Die Dichterin und bildende Künstlerin, geboren am 20. Februar 1956 in Montmartre, schmückte mit ihren berühmten Schablonen jahrzehntelang die Mauern der Hauptstadt. Sie starb am 22. Mai 2022 in Paris. Ihr Werk, das anfangs als unbedeutende und illegale Kunstform galt, hat inzwischen seinen Weg in bedeutende Institutionen gefunden: die Sammlung des Victoria and Albert Museums in London, den Pariser Fonds für zeitgenössische Kunst, eine Retrospektive in Singapur mit Unterstützung der französischen Botschaft, das Musée Georges Pompidou und viele mehr. Ihre Schablonen sind in ganz Paris zu sehen und haben sogar die Aufmerksamkeit von Louis Vuitton und Kenzo auf sich gezogen. Die wunderschönen Brünetten und geistreichen Bemerkungen von Miss Tic wurden sogar von der französischen Post zum Internationalen Frauentag reproduziert. 2007 entwarf sie das Filmplakat für Claude Chabrols Film *La fille coupée en deux* (Das Mädchen, das in zwei Hälften geteilt wurde). Der Papstpalast in Avignon widmete ihr im Sommer 2024 eine große Retrospektive, die großen Anklang beim Publikum fand.
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