„Unfähigkeit liegt im Wunsch, etwas abzuschließen.“ Gustave Flaubert
Schönheit liegt im Unvollendeten, im noch zu Schaffenden. Die Linie wird zur Allegorie des kreativen Prozesses und bildet das Herzstück der Ausstellung, die Flavien Demarigny (alias Mambo) und Franck Noto vereint. Konzipiert als Austausch, füllen die Prozesse und ihre Ergebnisse den Raum. Die Werke, in denen die Abstraktion dominiert, fangen die radikale Natur urbaner Zeichen ein. Die Linie ist unendlich, die Linien kreuzen sich nicht. Ohne Kategorisierung bieten sie Rahmen für neue Vorstellungen, alternative Erzählungen. Die Intensität, gesteigert durch die Reduktion auf das Wesentliche, das Weglassen von Überflüssigem, verstärkt die visuelle Wirkung. Dieser Minimalismus führt uns aus unseren gewohnten Denkmustern heraus. Wir projizieren nicht länger unser eigenes Verständnis, sondern befreien es aus der binären Opposition und hinterfragen es. Das Kunstwerk lädt uns nicht zum Entscheiden, sondern zum Hinterfragen ein. In diesem Raum wird der Zweifel zum Modell erhoben.
Die Beherrschung der Farbsättigung erfordert eine spezifische und präzise Vermittlung der Schlüsselelemente an den Betrachter. Hohe Sättigung akzentuiert Farben und verleiht ihnen Energie. Reduzierte Sättigung mildert Töne und lässt sie kontemplativer wirken. Hier bezieht sich „Sättigung“ auf die Betonung der Abwesenheit von Farbe, Schwarz, und auf die Synthese von Farbe, Weiß.
Flavien DeMarigny basiert seine Werke auf Akkumulation als einer Form des Schreibens und Abstraktion als einem Mittel der Interpretation. Die Ordnung der Welt ist umgekehrt; der Tag wird nicht länger von einer horizontalen Achse, sondern von einem vertikalen Willen bestimmt. Die Vertikalität wird zum Bezugsrahmen des Künstlers. Er malt eine verkörperte Wahrnehmung der Welt; es ist die Wechselbeziehung zwischen den Entitäten, die sein Werk verbindet.
Franck Noto, der auf seinen künstlerischen Hintergrund zurückgreift, pflegt einen Malstil, der Botschaften vermittelt und eine Distanz zur Leinwand herstellt; er arbeitet ohne Bildträger. Seine Werke kreisen um die Geste. Seine Welt ist eine Welt der Abstraktion, in der die Andeutung den Grundstein seines künstlerischen Ausdrucks bildet.
Die Verschmelzung ihrer unterschiedlichen Ästhetiken, SATURATIONS verkörpert jenen entscheidenden Moment, in dem jegliche weitere Information überflüssig ist. Alles ist gesagt, alles bleibt zu verstehen. Keine Farben, wenige Hinweise, und doch wäre jede weitere Information überflüssig. Die Arbeit dringt zum Kern der Sache vor und erinnert an eine urbane Sprache. Der Fokus liegt auf der Linie, die Bedeutung der Bewegung ist spürbar. Wiederholung findet sich nur in der Geste; sowohl in Flavien Demarignys als auch in Franck Notos Werk schafft die Vereinfachung Raum für das Material. Das Werk ist fesselnd, das Schwarz-Weiß untergräbt eine erzwungene Dichotomie.
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