Bronzeskulpturen
Malerei als lebendige Oberfläche, auf der Erinnerung, Körper, Material und Raum einander transformieren.
Liza Petrova (geb. 1993 in Russland) ist eine in Belgrad lebende figurative Künstlerin, die mit verschiedenen Maltechniken und Materialien arbeitet. Sie kombiniert traditionelle Öltechniken mit innovativen Materialien wie Alkohol-Tinte auf Kunststoff. In ihren Werken versucht sie, die emotionalen und sozialen Gegebenheiten einer sich rasant verändernden Welt einzufangen. Die Absolventin des Moskauer Architekturinstituts und ehemalige Stadtplanerin erkundete verschiedene visuelle Disziplinen, darunter Illustration und digitales Charakterdesign, bevor sie sich der zeitgenössischen Malerei zuwandte. Im Mittelpunkt ihrer künstlerischen Praxis stand das transformative Potenzial der Materialien – von frühen Experimenten mit verdünnter Gouache und Acrylfarbe bis hin zu ihrer aktuellen Verwendung von Alkohol-Tinte und verdünntem Öl.
KÜNSTLERSTATEMENT
Mein Hintergrund liegt in der Stadtplanung und Architektur, und er prägt bis heute meine künstlerische Herangehensweise. Er lehrte mich, in Beziehungssystemen und Maßstäben zu denken, anstatt in isolierten Formen. Mich interessiert, wie Persönliches, Soziales, Historisches und Räumliches in einem Bild zusammenfließen. Mein Interesse an Kontinuität und komplexen globalen Systemen ähnelt Aby Warburgs Idee der Bildermigration. Diese versteht visuelle Motive als mobile Träger emotionaler Erinnerungen, die durch Zeit, Raum und Medien reisen, sich in neuen historischen Kontexten stetig wandeln und Veränderungen in der menschlichen Gesellschaft widerspiegeln. Deshalb arbeite ich mit klassischen Sujets wie dem Porträt, dem Akt oder der Figur in der Landschaft: Zeitlos und im ständigen Wandel begriffen, schaffen sie einen Dialog zwischen Künstlern durch die Geschichte hindurch.
Meine Arbeit untersucht, wie die Sprache der zeitgenössischen Kunst mit traditionellen Sujets und Materialien interagiert und diese umgestaltet. Ich arbeite mit Mischtechniken und kombiniere vorwiegend Alkohol-Tinte und Öl auf Kunststoff. Mithilfe symbolischer Bildsprache erforsche ich, wie die persönliche innere Mythologie breitere soziale und historische Kontexte widerspiegelt. Ausgangspunkt meiner Arbeit ist die Spannung zwischen dem Menschen und dem ihn umgebenden Raum. In meinen Porträts beeinflusst die Figur den Raum, verzerrt ihn, erweitert die Persönlichkeit über den Körper hinaus und spiegelt ihren inneren Zustand wider.
Mein langjähriges Interesse am Verhältnis von Körper und Raum hat mich jüngst zu einer neuen formalen Frage geführt: der Plastizität der Malfläche. Ich möchte die von Clement Greenberg als definierende Bedingung der Malerei – die Flächigkeit – bezeichnete Eigenschaft bewahren und gleichzeitig das Werk aus seiner festen Bindung an die Wand lösen. Anstatt illusionistische Tiefe wieder einzuführen oder Malerei als Skulptur zu behandeln, möchte ich, dass sich die Oberfläche selbst biegt, faltet und die Wahrnehmung als räumliche Struktur formt.
In meiner künstlerischen Praxis steht das Material im Mittelpunkt. Es ist Träger kultureller Erinnerung und Emotionen. Öl und Leinwand sind untrennbar mit der europäischen Kultur verbunden. Alkohol-Tinte dient mir sowohl als zeitgenössisches Material als auch als Referenz an alte Tuschezeichnungstechniken, während Plastik eine unumkehrbare Transformation von Natur und Kultur markiert. In meinem Arbeitsprozess überlasse ich einen Großteil der Gestaltung dem Material selbst. Es spricht durch Abstraktion und eine Herangehensweise an kontrollierte Zufälle. Ich löse und zerlege das Material gern in seine Grundbestandteile. Dies erlebe ich als Befreiung des Materials und zugleich als eine Praxis der gemeinsamen Verantwortung mit dem Universum. Aus diesem Grund ist der Prozess zentraler Bestandteil meiner Arbeit.
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