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Roger Mühl (1929-2008) war ein französischer Maler, Zeichner, Lithograf und Bildhauer, dessen Werk insbesondere mit der figurativen Landschaftsmalerei, dem Licht und der Farbe verbunden ist. Er wurde in Geudertheim im Bas-Rhin geboren und trat 1939 in die Kunstgewerbeschule von Straßburg ein. Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung setzte er sein Studium von 1945 bis 1948 fort. Zu seinen Lehrern gehörte der Maler Léon Lehmann, der ihn mit der intensiven Beobachtung der Natur und der Bedeutung der Zeichnung vertraut machte. Nach seiner Ausbildung arbeitete Mühl als Dekorateur am Barabli, einem von Germain Muller gegründeten satirischen Kabarett in Straßburg. Anschließend schuf er Wandmalereien für Schulen im Elsass sowie in der Bretagne, der Normandie und in Paris.
1953 präsentierte die Maison d’Art alsacienne in Straßburg seine erste Einzelausstellung; zugleich erwarb das Musée d’Art moderne et contemporain der Stadt zwei seiner Gouachen. 1954 ließ sich Mühl in Montreux-Château im Territoire de Belfort nieder. Seine künstlerische Entwicklung konzentrierte sich auf Natur, Landschaft, Porträt und Stillleben. Die Zeichnung bildete eine wichtige Grundlage seines Schaffens: Vor der Ausführung eines Gemäldes fertigte er zahlreiche Skizzen an, um das Verhältnis zwischen Linien und Massen zu bestimmen. Reisen durch die Niederlande, Deutschland, Skandinavien, Spanien und insbesondere Italien erweiterten seine künstlerische Perspektive und weckten sein Interesse an der Kunst des Quattrocento und Cinquecento.
Mühl realisierte zahlreiche öffentliche Aufträge im Rahmen des französischen 1%-Kunstprogramms und arbeitete dabei auch mit Wandmalerei, Glasmalerei und Tapisserie, unter anderem in der Werkstatt Pinton in Aubusson. Für religiöse Gebäude schuf er ebenfalls Werke, darunter einen in Stein gravierten Christus und einen Christus aus Schmiedeeisen für den Tempel von Ostheim. 1960 wurde seine Einzelausstellung in der Galerie de Paris zu einem großen Erfolg und leitete seine internationale Anerkennung ein. Weitere Ausstellungen folgten in Paris und New York, insbesondere bei der David Findlay Gallery. Im selben Jahr begann er im berühmten Atelier von Fernand Mourlot mit der Lithografie.
Die Lithografie führte auch zur Buchillustration, darunter Denis de Rougemonts L’Aventure occidentale de l’homme von 1972. Später illustrierte er Werke von Marcel Pagnol und Albert Camus sowie Bücher über die französische Gastronomie. 1961 erhielt er den Prix Prestige des Arts, nachdem er für den Prix de la Critique ausgewählt worden war.
1965 zog Roger Mühl in den Süden Frankreichs, zunächst nach Grasse und 1975 nach Mougins. Die Provence, die Côte d’Azur, Olivenbäume, Calanques, Gärten und das Meer wurden zu zentralen Themen seiner Kunst. Obwohl seine Malerei figurativ blieb, vereinfachte er Formen und Massen zunehmend. Landschaft wird bei ihm nicht als bloße topografische Wiedergabe verstanden, sondern als eine durch Wahrnehmung und Licht neu komponierte Wirklichkeit. Seine Landschaftsgemälde zeichnen sich durch reduzierte Kompositionen, großzügige Formen und harmonische Farbbeziehungen aus.
Zu den mit seinem Werk verbundenen künstlerischen Referenzen gehören Delacroix, Van Gogh, Manet, Picasso, Braque und Villon; einzelne Aspekte seiner Kompositionen wurden außerdem mit Nicolas de Staël in Verbindung gebracht. Seine Werke wurden in Genf, London, Mailand, Dallas, Köln, Stuttgart, Tokio, Kyoto und New York ausgestellt. 1987 präsentierte die Art Center Hall in Tokio eine Ausstellung seines Werks, bevor 1988 eine große Retrospektive in Belfort stattfand. Die Galerie Charpentier in Paris nahm ihn außerdem in mehrere Ausstellungen zur École de Paris auf.
Mit Ölmalerei, Aquarell, Pastell, Zeichnung und Lithografie entwickelte Roger Mühl ein Werk, das tief mit Licht und Naturbeobachtung verbunden ist. Von den Landschaften des Elsass bis zur mediterranen Helligkeit der Provence verwandelt er die Wirklichkeit in klare und leuchtende Kompositionen. Die Farbe wird dabei zum wesentlichen Ausdrucksmittel für Atmosphäre, Tiefe und Empfindung. Roger Mühl gehört damit zu den eigenständigen Vertretern der französischen Malerei des 20. Jahrhunderts und der figurativen Landschaftskunst der Nachkriegszeit.
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