Porträtgemälde

Das Porträt ist eines der wichtigsten Themen der Malerei. Die Disziplin hat sich im Laufe der Zeit stark verändert und blickt auf eine faszinierende Geschichte zurück:  

In der Antike waren Porträts ausschließlich Göttern und den einflussreichsten Personen der Gesellschaft vorbehalten. Gemälde und Statuen, die die Körper der Verstorbenen darstellten, wurden zur Dekoration der Gräber in Ägypten geschaffen. Sie waren nicht realistisch, sondern wiesen eine sehr standardisierte Darstellung der einzelnen Körperteile auf. 

Im Gegensatz zu den Ägyptern waren die griechischen Maler und Bildhauer - die die menschliche Anatomie besser kannten - um mehr Realismus bemüht. Viele Gemälde aus dieser Zeit wurden auf Vasen gemalt und stellten Götter und mythologische Szenen dar. 

Die meisten Porträts wurden im Mittelalter in Auftrag gegeben und zeigten die wichtigsten Persönlichkeiten der damaligen Zeit; sie wurden in religiösen Szenen gemalt, um ihre Frömmigkeit und ihren Glauben sowie ihren sozialen Status zu betonen. Nach der Fertigstellung dieser Kunstwerke, wurden sie häufig Kirchen und Klöstern gestiftet. 

Die Renaissance war für die Künste ein Wendepunkt - die Porträtmalerei war dabei keine Ausnahme. Zu Beginn dieser Periode waren die Künstler nicht an einer lebensechten, realistischen Darstellung interessiert. Die Porträtierten bzw. die dargestellten Personen waren durch die Verwendung von symbolischen Gegenständen und die Angabe ihres Namens identifizierbar. 

Giotto revolutionierte die Porträtmalerei, indem er die Bildhauerei nachahmte. Er begann, Schatten zu malen, die Mimik der Porträtierten und Tiefenwirkungen darzustellen und widmete sich perspektivischen Verkürzungen; sein Wissen verbreitete sich schnell. 

Brunelleschi führte dann die Idee der Perspektive in der Architektur ein, ein Konzept, das Masaccio auf die Malerei übertrug. Italien wurde zum Zentrum der Porträtmalerei, und die wichtigsten italienischen Familien (darunter die Familie Médici) gaben bei den besten Malern Werke in Auftrag. Der Wettbewerb zwischen diesen Malern veranlasste sie zu Innovationen und führte dazu, dass sie einige der größten Kunstwerke der Geschichte schufen. Das berühmteste ist zweifelsohne die Mona Lisa von Leonardo da Vinci. 

In Nordeuropa wurde die flämische Kunst im 16. Jahrhundert durch den Ikonoklasmus während der Reformation eingeschränkt; einer Zeit, in der die Darstellung religiöser Figuren verboten war. Die Künstler wandten sich der höfischen Kunst zu, die in den folgenden Jahrhunderten besonders beliebt war. Ein Jahrhundert zuvor hatte die flämische Kunst mit Jan Van Eyck, dem Erfinder der Ölmalerei (der bevorzugten Maltechnik aller Renaissance-Maler) und Meister des detaillierten Realismus, der eine ganze Generation flämischer Maler beeinflusste, einen Wendepunkt erreicht. 

In den folgenden Jahrhunderten blieben Porträtgemälde eine Kunstform für die Elite der Gesellschaft. Dennoch bemühten sich die Maler  zunehmend um eine realistische Abbildung der Figuren und um die Vermittlung der Gefühlswelt der Dargestellten. Im 20. Jahrhundert zeichnete sich ein neuer Trend ab: Die Porträtierten wurden nicht mehr gemalt, um schön auszusehen (manchmal zu deren großen Missfallen). 

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die impressionistischen Maler zunehmend  unabhängiger von plastischen Modellen und dem Einfluss der Bildhauerei. Sie verließen ihre Ateliers und malten Porträts im Freien, "en plein air". Sie fingen das Licht so ein, wie sie es sahen, und malten Gruppen von Menschen zusammen und nicht in mehreren Etappen. 

In der modernen und zeitgenössischen Kunst des 20. Jahrhunderts war in Bezug auf Porträtgemälde alles erlaubt. Künstler wie Gustav Klimt, Pablo Picasso, Paul Gauguin und Lucian Freud stellten traditionelle Techniken und kodifizierte Regeln auf den Kopf und entwickelten ihren eigenen, einzigartigen Stil. Entdecken Sie Porträts von Philippe Pasqua, Robert Combas, Guangyu Dai und Erró auf Artsper.

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